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Pflegebedürftigkeit ein Begriff und seine Definition...

Der Gesetzgeber bemüht sich um eine Erweiterung des  Pflegebedürftigkeits-begriffs....

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Pflegebedürftigkeitsbegriff- Politische Dimension

In Deutschland leben zur Zeit über 15 Mio. Menschen im Alter zwischen 65- und 85 Jahren. Nach der Generali-Altersstudie von 2013 hat sich bei der Hälfte dieser Personengruppe der Gesundheitszustand in den letzten 3 Jahren verschlechtert. Dies scheint u.a. auch dem Umstand geschuldet, dass mit zunehmendem Alter die physischen Probleme stark zunehmen. Das Risiko pflegebedürftig zu werden steigt im Alter. Besonders demenzielle Erkrankungen nehmen mit zunehmendem Alter stark zu. Zur Zeit leben in der Bundesrepublik etwa 1,4 Mio Demenzkranke. Jährlich kommen etwa 300.000 Neuerkrankte hinzu und infolge der demographischen Veränderungen wird sich dieser Trend noch weiter verstärken. Vor diesem Hintergrund ist es unbedingt erforderlich, den Pflegebedürftigkeitsbegriff neu zu formulieren und die gesetzliche Pflegeversicherung zu reformieren.

 

Pflegeversicherung 

Der Begriff der Pflegebedürftigkeit wird seit Einführung der Pflegeversicherung kontrovers diskutiert. Speziell die einseitige Auslegung im SGB XI, die vorrangig die körperlichen und verrichtungsbezogenen Aspekte definieren, waren Stein des Anstosses und Kern der Diskussion. Nach Ansicht von Sozialverbänden und Pflegeexperten war die zu enge Auslegung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs maßgeblich Schuld an Versorgungsdefiziten pflegebedürftiger Menschen und würde der Lebenssituation vieler Pflegebedürftiger nicht gerecht.

 

Eingeschränkte Alltagskompetenz

Besonders Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz seien durch das Fehlen wesentlicher Apekte, wie z.B. die Kommunikation und soziale Teilhabe, benachteiligt. Aber auch Tätigkeiten wie Anleitung und Beaufsichtigung seien für diesen Personenkreis zu wenig berücksichtigt.

Im Koalitionsvertrag vom 11. November 2005 wurde vor diesem Hintergrund festgelegt, dass eine mittelfristige Überarbeitung des Pflegebedürftigkeits-begriffs vorbereitet werden soll. Insbesonders die Auswirkungen auf das Begutachtungsverfahren und den damit zusammenhängenden finanziellen Konsequenzen für die Pflegeversicherung und andere Sozialleistungsbereiche scheinen jedoch das Tempo politischer Entscheidungen zu bestimmen.

Im Koalitionsvertrag vom 27. November 2013 wurde vereinbart, dass mit der Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs begonnen werden soll. Nach Abschluss verschiedener Modellprojekte wird es voraussichtlich 2015 zur Gesetzgebung kommen.

 

Wer ist im Sinne der Pflegeversicherung pflegebedürftig?

 „Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.“ (§ 14 Abs. 1 SGB XI)

 

Krankheiten oder Behinderungen werden wie folgt definiert:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,
  • Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

 

Zu den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens zählen:

Körperpflege

  • Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung.

Ernährung

  • Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung, Aufnahme der Nahrung.

Mobilität

  • Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.

Hauswirtschaftliche Versorgung

  • Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen von Wäsche und Kleidung sowie das Beheizen der Wohnung.

 


Aktualisiert am 20. Oktober 2014 um 14.33 Uhr